Der ehemalige Studienkollege und seit bald 30 Jahren HBQF1-Partner Bob hat sich in Mallorca ein besonderes Ruhestandprojekt ausgesucht. Nachdem die Finca in den Bergen oberhalb Mancor de la Vall renoviert ist und als Zweitwohnsitz taugt, sollen auch wieder Hühner her.
Hühner hatte es noch beim Kauf von über fünf Jahren, die haben sich aber «verflüchtigt». Zwar gibt es in Mallorca den klassischen Hühnerdieb Fuchs nicht, das heisst aber nicht, dass Hühner keine natürlichen Feinde haben: Ginsterkatze, Steinmarder, Zwergadler oder Rotmilane sind eine reelle Gefahr, insbesondere die Ginsterkatze, die durch kleinste Lücken im Stall schlüpft und unter Hühnern regelrechte Massaker anrichtet, da sie oft mehr tötet, als sie fressen kann.
Bevor also wieder Hühner den Schafen Gesellschaft leisten, muss ein Stall her, in dem die Hennen, vor allem nachts, sicher sind.
Die Rahmenbedingungen
Na ja, einen Hühnerstall zusammenzunageln kann ja wohl nicht so schwer sein. Aber es ist eben mehr als nur eine Kiste mit Dach. Da gibt es eine Legezone und eine Schlafzone und beide sollten einfach zugreifbar sein, erstere, um die Eier einzusammeln und letztere, um den Kot wegzumachen. Im Internet findet man aber detaillierte Bauanleitungen und eine solche bildete dann auch die Basis für das Vorhaben, mit einem wesentlichen Unterschied: Anstatt einem atypischen Satteldach sollte nur ein in der Gegend übliches Schrägdach vor Regen schützen.
Werkzeuge und Maschinen
Um ein solches Gewerk erstellen zu können, sind gewisse Werkzeuge unabdingbar. Schreinersohn Bob hat sich u.a. in meiner Werkstatt inspirieren lassen und ist gewillt, selbst eine veritable Werkstatt auf Basis von Festool-Geräten auszurüsten. Das Problem ist die Lieferbarkeit auf Mallorca. Zwar gibt es mit Maquinaria Balear einen offiziellen Händler, das Laden-Sortiment ist aber limitiert und die Lieferzeiten lang. Mindestens so lang wie die Einkaufsliste…


Immerhin konnten wir nach der Ankunft gleich noch die Kapp-Zugsäge KS 60 E KAPEX abholen. Ohne sie wären wir aufgeschmissen gewesen. Da wir aber jeden Tag einmal «ins Tal» fuhren, holten wir uns die dringenst notwendigen Sachen jeweils in den Baumärkten.
Bauholz
Das Netz der Baumärkte auf Mallorca (Bauhaus, Obramat, Leroy Merlin etc.) ist relativ dicht und die Distanzen sind, gerade vom Zentrum der Insel aus, überschaubar. Aber das Angebot unterscheidet sich, vor allem beim Holz, doch ganz wesentlich von dem, was wir hier kennen. Vielleicht ein paar Leisten sind noch erhältlich, aber Holzplatten sind praktisch nicht zu finden, geschweige denn ein Zuschnittsservice.
Der Bauführer hat Bob den Kontakt zu einer Sägerei vermittelt, in der man normalerweise als Privatperson nicht einkaufen kann. Die Auswahl an (druckimprägniertem) Stangenmaterial ist gut, aber meist mussten die Leisten noch zugeschnitten werden (hätten wir auch selbst machen können, wenn denn die Tischkreissäge schon geliefert worden wäre). Eine weitere Herausforderung ist die «Industrielänge» der Bretter von über 4 Metern. So etwas muss man sich liefern lassen. Ob das kurzfristig klappt?

Platz/ Werkstatt
Der Hühnerstall soll in die Nähe des Schafstalls zu stehen kommen, das heisst, etwa 100 Meter von Haus und Werkstatt entfernt und 20 Meter tiefer. Die Werkstatt ist mit rund 40 Quadratmetern üppig dimensioniert und ein Gefährt (Übernahme «cochecito», Kinderwagen) für den Transport von Teilen steht auch zur Verfügung. Allerdings sollten die Module nur so gross sein, dass sie auch noch geladen werden können.
Die Anreise
Der Abflug in Zürich war für 06:55 Uhr vorgesehen, das war meiner Erfahrung nach zu früh, um mit dem ÖV rechtzeitig am Flughafen zu sein. Was ich nicht berücksichtigte, dass wir Business-Tickets hatten und so an der grossen Masse vorbei durch die Sicherheitskontrolle gehen konnten. Es hätte sicher gereicht…

Ich hatte zwar einen Fensterplatz, aber auf der «falschen» Seite: Ich hätte doch bei dem Wetter gerne in die Alpen gesehen. Aber auch die andere Seite war spektakulär und dann vor allem über Mallorca «richtige», weil sie sogar einen Blick auf die Finca erlaubte.












Mit dem Mietauto haben wir dann als erstes die Kapp-Zugsäge bei Maquinaria Balear abgeholt. Damit war der Kofferraum eigentlich gefüllt, was aber nicht weiter Problematisch war. Ausser einer kleinen Bierreserve (Estrella Damm, ein mediterranes Lagerbier, das Reis als Zutat enthält. Es ist jedoch kein reines Reisbier, sondern ein untergäriges Vollbier, das aus Gerstenmalz, Reis und Hopfen nach dem Originalrezept von 1876 gebraut wird) brauchten wir nichts mehr. Die Finca ist nicht als Ferienhaus, sondern als Zweitwohnsitz ausgelegt und damit durchgängig «bewirtschaftet».

Etwas irritierend sind die allgegenwärtigen Einhagungen und Tore schon. Wie im übrigen Spanien gilt das «Wohnnomaden-Gesetz»2.
Die Finca
Bevor es an die Arbeit ging, bekam ich noch eine kurze Führung durch die Anlage.





Der Hühnerstall
Die Vorbereitung









Die Isolation
Obwohl die Temperatur fast nie länger unter Null fällt und auch Schneefall eher selten ist, möchte Bob den Hühnerstall isolieren – letztlich auch gegen die Hitze. Vorgesehen waren Steinwolleplatten, davon mussten wir aber abkommen, weil unsere Konstruktionslatten nur 28mm breit sind, während der Standard bei Steinwolleplatten bei 40 mm liegt. Zusammenpressen ginge zwar, aber damit geht ein grosser Teil der Isolationsfähigkeit verloren. «Abschälen» geht auch nicht, weil die Fasern der Platten nicht geschichtet sind, sondern kreuz und quer angeordnet sind. Für den Boden entschieden wir uns daher fürs Ausschäumen.


Danach fällten wir einen Grundsatzentscheid: Der Bau soll, so weit wie möglich, in der Werkstatt erfolgen und die einzelnen Elemente schliesslich vor Ort zusammengebaut werden.

Die Holzlieferung
Die in der Sägerei gekauften Latten und Bretter waren teils über 4 m lang und mussten deshalb geliefert werden. Ich war gespannt, ob das klappen würde, aber Bob war ganz zuversichtlich. Er hat ja auch schon einige Erfahrung diesbezüglich… Aber nicht nur die Länge, auch das Gewicht war beträchtlich. So, wie ich die Strasse bisher erlebt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass hier ein Lastwagen hochfahren konnte: Zu schmal, zu eng die Kurvenradien. Aber das ist kein Problem für Pep. Er hat schon während der Renovation für Bob geliefert und verfügte über einen Lastwagen mit kurzem Radstand und Ladekran.



Die Seitenwände
Wir entschieden uns für einen Dachwinkel von 22.5°. Das erscheint vielleicht etwas eigenartig, ist aber ein Standardwinkel, der auf der KAPEX sogar eine Rastposition hat. Das erleichtert die Konstruktion ungemein. Die Berechnung der Höhendifferenz war ein einfaches Sinus-Produkt (soviel zu «warum soll ich Trigonometrie lernen, das brauche ich eh nie in meinem Leben»).





Das Aussägen der Aussparungen mit der Festool Tauchsäge TS 60 geht problemlos, wenn sie dann auch gross genug ist. Beim Lüchtungsschlitz sind wir an die Grenze gekommen: Zu schmal. Da muss eine andere Lösung her: Eine Stichsäge. Hatten wir nicht.
Der Alltag
Es war klar: Das ist kein Ferientrip, das ist eine Arbeitswoche. Aber auch das grösste Engagement scheitert, wenn das Umfeld nicht passt. Aber da hatte ich keine Bedenken. Ich kenne Bob jetzt schon seit bald 30 Jahren und noch immer ticken wir entweder sehr ähnlich oder komplementär. Also gute Voraussetzungen. Und so ist es dann auch gekommen. Wir sind jeden Tag relativ früh aufgestanden und haben uns nach einem Kaffee an die Arbeit gemacht.


Gegen 10, 11 Uhr folgte dann das Frühstück, danach arbeiteten wir weiter. So um 16 Uhr fuhren wir jeweils für Besorgungen von Werkzeugen und Verbrauchsmaterial ins Tal. Nach der Rückkehr die Dusche erneute Fahrt in die Ebene. Ob in der Pizzeria Volvér in Binissalem, Im Dayla – Vins i Tapes in Inca, im Ca’s Teuler Restaurant oder Restaurant Sa Tafona de Caimari in Selva: Es war immer sehr gut.






Die Rückreise
Der 1. Mai ist in Spanien ein gesetzlicher Feiertag, also hatte auch der Parque Verde (lokale Abfallentsorgungsstation) geschlossen. Dadurch hatten wir mehr als genug Zeit. Auftanken war noch angezeigt und dann folgte eine Relax-Zeit in der Longue, bis wir uns gegen 20 Uhr in den Flieger setzen konnten, der, wie schon auf dem Hinflug, pumpenvoll war (A321 neo der Swiss). Leider hatte ich wieder die «falsche» Seite… Nicht wirklich, bis wir über den Alpen sind, wird es stockdunkel sein.


Wie geht es weiter?
Die Woche war im Nu um. Der Hühnerstall ist als Hühnerstall erkennbar, aber es braucht schon noch einige Anstrengungen, das Gewerk fertigzustellen. Am 25. Mai fliegen wir wieder.
- Hauptbahnhof Quöllfrisch. Ein Quartalstreffen der Arbeitsgruppe «Kanalarbeiter», an dem zu Beginn auch noch der bereits 2023 verstorbene Dritte im Bunde, Cemil, teilgenommen hatte. Wir treffen uns da in der Brasserie Fédéral im Hauptbahnhof Zürich zum Apéro und gehen nachher zusammen Nachtessen. Bis zur Schliessung des Bierfalken an der Löwenstrasse dort, seither immer wieder an wechselnden Orten. ↩︎
- Wohnnomaden-Gesetz. Es herrscht oft das Missverständnis, dass die massiven Tore und hohen Mauern nur dem Schutz vor Einbrechern dienen. Tatsächlich sind sie jedoch oft eine direkte Reaktion auf die rechtliche Situation der sogenannten Okupas (Hausbesetzer).
Es gibt kein spezifisches «Wohnnomaden-Gesetz». Stattdessen handelt es sich um ein Zusammenspiel aus dem Recht auf Wohnraum (verankert in der spanischen Verfassung) und prozessualen Hürden im Straf- und Zivilrecht.
Das Hauptproblem ist die Unterscheidung zwischen zwei Tatbeständen:
1. Morada (Hausfriedensbruch): Wenn jemand in eine bewohnte Wohnung eindringt. Hier greift die Polizei meist sofort ein.
2. Usurpación (Besetzung): Wenn jemand in eine unbewohnte Immobilie eindringt.
Der kritische Punkt: Wenn Besetzer es schaffen, sich länger als 48 Stunden in einer Immobilie aufzuhalten und dort ihren «Lebensmittelpunkt» einzurichten (indem sie z. B. Essen im Kühlschrank haben oder die Schlösser getauscht haben), gilt das Haus rechtlich als ihr Wohnsitz. Ab diesem Moment darf die Polizei die Besetzer nicht mehr ohne richterlichen Beschluss aus der Wohnung werfen – und ein solcher Prozess kann Monate oder Jahre dauern. ↩︎





















































































































































































































































































































































