37. 37 beobachtbare, totale Sonnenfinsternisse hat es seit 1971 gegeben, also rund ein Ereignis je 18 Monate. In der Schweiz werden wir damit nicht besonders verwöhnt: Die letzte Eklipse fand am 22. Mai 1724 statt, die nächste erst wieder am 3. September 2081. Aber was hat es mit dem Jahre 1971 auf sich? Damals wurde in der Schweiz das längst überfällige Frauenstimmrecht eingeführt und Sean Connery rettete im Film «Diamonds are forever» (Deutscher Titel: Diamantenfieber) die freie Welt vor dem Bösewicht Blofeld.
Damit ist aber erst der halbe Bogen zum Titel gespannt. Die weitere Erklärung lautet folgendermassen: Eine klassische Sonnenfinsternis verläuft in Phasen mit den 4 Kontaktpunkten C1-C4.
| Kontakt | Bezeichnung | Bedeutung | Filter erforderlich? |
|---|---|---|---|
| C1 | First Contact | Beginn der partiellen Verfinsterung | Ja |
| C2 | Second Contact | Start der Totalität (Diamantring/ Perlschnur) | Ja/ nein, während der Totalität |
| C3 | Third Contact | Ende der Totalität (Diamantring leuchtet auf) | Ja (sofort wieder Filter nutzen) |
| C4 | Fourth Contact | Letzter Kontakt, Ende der Finsternis | Ja (Sonne wieder normal) |
Spektakulär ist vor allem der Eintritt in die Totalität (C2). Dabei können die folgenden Phänomene beobachtet werden:
- Bailys Perlen (Perlschnurphänomen): Das letzte Sonnenlicht bricht durch das Krater- und Talprofil des Mondrandes.
- Diamantring-Effekt: Der allerletzte helle Lichtblitz zusammen mit dem Aufleuchten der inneren Korona.
- Chromosphäre & Protuberanzen: Die rötliche Gasschicht der Sonne und gewaltige Materiebögen werden sichtbar.
Beim Austritt aus der Totalität (C3) ist der Diamantring-Effekt erneut sichtbar. Als ich 2024 nach Texas reiste, um die «North American Eclipse» mitzuerleben, schaffte ich es nicht, den Diamantring-Effekt fotografisch festzuhalten. Der Grund dafür war damals, dass kurz vor der Totalität Wolken aufgezogen sind und ich die Sonne aus dem Fokus verlor. Bis ich sie wieder eingefangen hatte, war das 10-Sekunden-Schauspiel vorbei. Ich schaffte es zwar nicht, das Bild festzuhalten, aber es hatte sich trotzdem in meiner Netzhaut eingebrannt: Das war das schönste, das ich je gesehen hatte.

Ich wollte den Diamantring-Effekt unbedingt noch einmal sehen und mit meiner Schwärmerei konnte ich Madeleine schliesslich überzeugen, mich zu begleiten. An einem Geburtstagsfest am 18. Mai 2024, also vor über zwei Jahren (!), kamen wir diesbezüglich mit Yvonne und Felix ins Gespräch und sie erklärten spontan ihr Interesse an einer Reise nach Spanien.

Anreise
Der Vorteil von Kindern mit Fahrausweis ist eben schon, dass sie auch mal Taxidienst machen können. So fuhr uns Lily am 10. August früh morgens nach Zürich. Dann flogen wir mit Iberia über Madrid nach Oviedo, genauer gesagt zum Aeropuerto de Asturias, der zwar das Kürzel OVD trägt, aber neben Oviedo auch noch Avilés und Gijón als Flughafen dient.

Der Flug vom Terminal 4 in Madrid nach Oviedo erfolgte in einer Bombardier CRJ-1000. Ein schlanker Regionaljet mit einer langen, engen Passagierkabine mit 2+2-Bestuhlung.
Es war mein erster Flug in einem Jet dieses Typs und ich schätzte den geringeren Lärm, weil die Triebwerke im Heck angebracht sind. Auch in Reihe 14 hatte man noch freie Sicht nach unten, weil die Flügel auf Grund des Gewichts der Triebwerke weiter hinten sind.
Nach dem Überflug des Kantabrischen Gebirges (Cordillera Cantábrica) wähnte man sich nicht mehr in Spanien. Vorher war alles gelb und braun und jetzt plötzlich saftig grün.
Die Fahrt zum Blau Hotel Las Caldas in Las/Les Caldes war bis auf die letzten Hundert Meter problemlos: Die Signalisation ist sehr schlecht und wir fuhren an der Einfahrt vorbei, ohne es zu bemerken. Aber nachdem auch diese Petitesse aus der Welt geschafft war, war Ankommen angesagt: Madeleine organisierte Bier von der Bar und wir streckten erst mal unsere Glieder.
Um 19 Uhr kamen dann auch Yvonne und Felix mit dem Auto an. Sie waren bereits am Vortag in Bilbao gelandet und hatten dort dem Guggenheim Museum noch einen Besuch abgestattet.
Blau Hotel Las Caldas
Der Name irritierte schon etwas. «Blau»? Wenn man dann erfährt, dass die Blau Hotelgruppe ihren Ursprung auf Mallorca hat, dann relativiert sich das wieder. Weil blau auf Mallorquinisch – eben – blau heisst (aber nur männlich und Singular). Auf weitere Details möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen.
Es sind eigentlich zwei Hotels. Ein Blau Grand Hotel ✰✰✰✰✰ und unser Blau Hotel ✰✰✰✰. Gewisse Teile werden gemeinsam genutzt und die Trennung ist nicht immer klar ersichtlich, was zu etwas unbefriedigenden Situationen, vor allem im Servicebereich führt. Aber sonst freuten wir uns über das grosse Zimmer und natürlich den riesigen Spa-Bereich, der aber einmal eine Auffrischung nötig hätte.




Der ganze Bereich ist schön, aber ich vermute, dass er nicht rentiert und deshalb etwas vernachlässigt wird.
Rekognoszierung
Wenn man für ein Zweiminutenerlebnis über 1’700 km reist, dann ist man gut bedient, sich mit den örtlichen Gegebenheiten etwas genauer auseinanderzusetzen, um Enttäuschungen zu vermeiden. In diesem Falle wollten wir klären von wo aus freie Sicht auf das Spektakel zu erwarten war und wie man dorthin kommen würde. Meinen Desktop-Recherchen zufolge müsste die Sonnenfinsternis sogar vom Hotel aus zu sehen sein. Las Caldas liegt aber derart in einer Senke, dass wir uns nicht darauf verlassen wollten. KI war bei der Suche natürlich eine Hilfe, allerdings nur in Bezug auf die rein technische Sicht. Allfälliges Behördenverhalten oder Lenkung der Menschenmassen (Oviedo hat rund 230’000 Einwohner) wurde bei der Beurteilung nicht wirklich berücksichtigt.
Cristo del Naranco
Mit 634 m ist der Pico Paisano so etwas wie der Uetliberg von Oviedo. Von Las Caldas aus in 15 km Distanz und einer guten halben Stunde erreichbar.

Auf der Spitze steht die Monumentalstatue des Cristo del Naranco. Etwas irritiert haben bei der Fahrt auf den Berg die vielen mobilen Schranken mit Parkverbot-Schildern drauf. Es machte ganz den Eindruck, dass die Strasse vermutlich morgen gesperrt sein würde, was, ehrlich gesagt, absolut Sinn machen würde.
Eine offizielle Verlautbarung dazu gab es aber nicht und das machte es für uns zu einem Plan B. Man kann den Pico Paisano natürlich auch zu Fuss erklimmen und 400 Höhenmeter wären machbar. Aber nicht bei 35° und danach Stunden an der Sonne.
Das Sonnenproblem haben wir dann noch etwas gemildert, indem wir bei Decathlon in Oviedo noch zwei weisse Schirme gekauft haben.





Über der Bergspitze kreisten Gänsegeier. Leider hatte ich nur das 120mm-Objektiv dabei, aber es erstaunte mich schon etwas, so nahe an der städtischen Zivilisation.

Abia de las Torres
Auf der Fahrt vom Cristo del Naranco zurück machten wir im Restaurante Parrilla Buenos Aires einen Zwischenhalt und eine Lagebesprechung. Dort fiel der Entscheid, dass wir uns noch nach einer valablen Alternative umsehen sollten. Madeleine hatte auf dem Pico Paisano noch mit Einheimischen gesprochen, die ihr ziemlich genau erklärten, wo es besser sein würde: Irgendwo auf der A-231 zwischen Léon und Burgos, mitten im nordspanischen Hochland, der Meseta (genauer: der Submeseta Norte oder dem Duero-Becken).
Das ist die riesige, baumarme Hochebene auf rund 800 Metern über Meer, die für ihren extrem weiten Horizont und die schier endlosen Getreidefelder bekannt ist. Bei Sahagún beginnt bzw. liegt der Übergang zur Tierra de Campos (oft auch als Comarca Tierra de Sahagún bezeichnet). Diese Region erstreckt sich über die Provinzen León, Palencia, Valladolid und Zamora. Sie ist eine der typischsten Ebenen Spaniens und wird wegen des intensiven Getreideanbaus auch als «Kornkammer Castiliens» (el granero de Castilla) bezeichnet.
Das Kantabrische Gebirge (Cordillera Cantábrica) wird die für Oviedo erwartete Wolkendecke von der Hochebene fernhalten. Liegt jetzt nicht gerade am Weg, das sind gut 200 km Fahrt, ein Weg, wohlgemerkt.
Felix und ich würden in den sauren Apfel beissen und in der Gegend einen passenden Ort auskundschaften. Da wir möglichst nahe der Zentrallinie bleiben wollten, führte uns der Ausflug noch viel weiter östlich als erhofft.

Bis auf einen kleinen Schreckmoment verlief die Fahrt gut. Nein, das ist kein Geisterfahrer, sondern ein Tieflader mit 3 Zugmaschinen drauf. Aber sieht also schon etwas scary aus…




Aber nun hiess es noch, die inzwischen auf 240 km gewachsene Strecke wieder zurückzufahren.

Das Bier in der Bar hatten wir uns nach der Ankunft redlich verdient (Felix noch mehr als ich), aber wir waren schon müde und daher zeitiger in den Federn, obwohl wir uns am nächsten Tag nicht um irgendwelche Platzreservationen in aller Frühe kümmern mussten.
Das Ereignis

Wichtig war, dass wir und praktisch auf der Zentrallinie befanden.











Der Pass über das Kantabrische Gebirge, der Puerto de Pajares (1’378 m), erwies sich leider als Nadelöhr. Wir standen mit weiteren Rückkehrern im Stau und benötigten statt der etwas über zwei fast drei Stunden. Aber für ein Bier nach Mitternacht reichte es schon noch.
Rückreise
Nach etwa zweieinhalb Stunden Schlaf (ohne Bier wären es drei gewesen) klingelte bereits wieder der Wecker. In feuchter, nebliger Dunkelheit machten wir uns Richtung Flughafen Oviedo auf. Den Benzintank hätten wir auch noch auffüllen müssen, das klappte aber an beiden angefahrenen Tankstellen nicht.
Schliesslich sind wir sogar noch etwas frühzeitig am Zielort angekommen. Nur um dann vor einem verschlossenen Flughafen zu stehen, dieses Schicksal teilten wir mit gut Hundert anderen Passagieren. Als dann die Tore endlich aufgeschlossen wurden, waren wir zwar in der Abfertigungshalle drin, aber es dauerte nochmals eine halbe Stunde, bis dann die ersten Check-In-Schalter besetzt wurden. Merke: Wenn die Fluggesellschaft verlangt, dass du anderthalb bis Zwei Stunden vor Abflug einchecken sollst, dann kläre zuerst, ob der Flughaben überhaupt geöffnet hat. Wir hatten nur noch etwas über eine Stunde Zeit, aber es reichte locker.
Da Madeleine keine kostenpflichtige Sitzplatzreservation gemacht hatte, wurden wir – ich behaupte: absichtlich – nicht nebeneinander, sondern in verschiedenen Sitzreihen platziert. Wie schon auf dem Hinflug konnten wir aber tauschen.



Am Gate bekam ich noch einen Tag an den Fotorucksack geklebt, um ihn einzuchecken. Den riss ich aber im Gangway ab und es kümmerte niemanden mehr. Ich habe jetzt doch schon einige Reisen damit gemacht und hatte noch nie Probleme, selbst auf Inlandflügen in den USA.
Im Übrigen verlief der Flug ereignislos und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mir ist schon klar, dass in der Economy keine Snaks oder gar Mahlzeiten serviert werden, aber nicht mal Wasser. Einfach gar nichts. Flugbegleitung in der Holzklasse auf Kurzstrecken wird damit zum Traumjob oder zum langweiligen Abwarten, je nach Sichtweise.

Ab Genf war die Sicht gut, aber das Fenster so schmutzig, dass es sich nicht lohnte, Bilder zu machen, ausser vielleicht beim Überflug von Bern ohne störende Reflexionen.
Das Fazit
Kurze, intensive Zeit mit toller Begleitung (Danke, Yvonne & Felix), einem eindrücklichen Naturschauspiel und bleibenden Erinnerungen.
Müsste man eigentlich wiederholen. Ach ja, machen wir doch, das Hotel Meliá Zahara Resort & Villas in Cádiz ist für den 2. August 2027 bereits gebucht.











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