«Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück». Eigentlich eine Redensart, deren Ursprung durch die Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts geprägt (denk an Edgar Allan Poe oder Dostojewski). Sie beschreibt das psychologische Phänomen, dass ein Täter durch Reue, Neugier oder den Drang, sein Werk zu begutachten, magisch vom Ort des Geschehens angezogen wird. In der modernen Welt der Kriminalistik und Unterhaltung gilt der Satz heute eher als Klischee. Profiler und Kriminalpsychologen sehen das differenzierter. Es gibt zwar Fälle, in denen Täter zum Ort zurückkehren (aus emotionaler Bindung oder um Spuren zu vernichten), aber als «Gesetz» taugt der Spruch nicht. Die meisten Profi-Verbrecher meiden den Tatort logischerweise wie die Pest. Aber es ist zum einem Standard-Trope in Krimis geworden, um die Handlung voranzutreiben.
Eigentlich geht es hier nicht um Krimis, sondern um einen zaghaften ersten Versuch zurück in die alpine Normalität. Dass das Ziel dabei der Schäfler war, mag zwar dem Klischee entsprechen (sofern man den Beinbruch als Tat bezeichnet), die wahren Gründe aber sind folgende:
- Vom Schäfler aus hat man eine der schönsten Aussichten im Alpstein.
- Der Schäfler ist von der Ebenalp aus zu jeder Jahreszeit in kurzer Zeit erreichbar.
- Man ist nicht zu weit vom Schuss – umkehren ist jederzeit möglich (das ist zwar nicht Schäfler-spezifisch, aber doch erwähnenswert).
- Auf dem Schäfler werden Chäshörnli und Quöllfrisch serviert (na gut, momentan ist das Berggasthaus geschlossen).
Und an den exakten «Tatort» würde ich ja nicht zurückkehren, die Ebenalpbahn fährt ja wieder und der mühsame Abstieg über die Bommen nach Wasserauen erübrigt sich.
Aus «technischen Gründen» schaffte ich es erst gegen Mittag auf die Ebenalp, für die geplante Tour ist das allemal früh genug.



Das schräge Gehen am Hang war nicht gerade angenehm, weil der Schuh dabei ständig auf die Narbe drückte.

Blick auf die Ebenalp, den Kamor-Trestenkopf und den Hohen Kasten.

Der Auf- und Abstieg erfolgt bei derartigen Verhältnissen natürlich über den Grat.





Bei jedem Schritt, vor allem in den Schrägpassagen, schmerzte die Narbe. Vielleicht war es ja doch nicht so eine gute Idee, gleich «off-road» zu gehen.
Konditionell – und das freute mich natürlich schon – hatte ich keine Probleme. Die Zeit spielte aber heute keine Rolle, wichtig war sicheres Gehen. Ich benötigte fast drei Stunden, das ist mehr als doppelt so lange wie über den schneefreien Weg.
Fazit: Einfach wunderbar, dass es geklappt hat, aber trotzdem werde ich es in Zukunft etwas sanfter angehen.
Nachtrag: Am 5. März habe ich dann von meiner Physiotherapeutin schon ein paar mahnende Worte hören müssen, weil ich mit diesem Ausflug einen Teil ihrer erfolgreichen Arbeit zunichte gemacht habe. Aber sie wird das wieder hinbekommen. Für das kommende Wochenende in Tschividains werde ich die Schneeschuhe zuhause lassen und mich nur auf Rentner-tauglichen Pfaden bewegen.










2 Comments
gut gemacht, Michi.
Schön dass Dein Haxen durchgehalten hat. Dank Deiner hübschen Physiotherapeutin.
Grüessli vom Müllet
Die Narbe spüre ich seither stärker. Ja, Tamara hat mit ihrer Lymphdrainage viel zur Heilung beigetragen.