1987, 27-jährig und zum ersten Mal in Japan, war ich überzeugt, dass ich mich mit Englisch irgendwie durchschlagen würde. Ein Irrtum. Tokyo wurde für mich zum sprachlichen und kulturellen Hindernislauf: Die Menschen waren ausgesprochen hilfsbereit, nur verstanden wir einander meistens trotzdem nicht. Besonders die U-Bahn schien eigens dafür konstruiert, einen europäischen Orientierungssinn endgültig zu zerstören.
Hong Kong war damals das andere Extrem: eine britische Kronkolonie mit chinesischem Gesicht. Englisch war allgegenwärtig, die koloniale Vergangenheit sichtbar, und trotzdem war unübersehbar, dass man sich in China befand – oder zumindest in einem sehr speziellen chinesischen Zwischenraum.
Fast vierzig Jahre später sind wir als Familie wieder durch Japan und Hong Kong gereist. Und plötzlich war vieles erstaunlich einfach. Google Maps lotst einen heute auch durch die verwinkeltsten U-Bahn-Systeme, elektronische Anzeigen nehmen Rücksicht auf Reisende ohne Japanischkenntnisse, und überhaupt ist die Welt für Fremde navigierbarer geworden. Das durchschnittliche Englisch in Japan hat sich dagegen – zumindest nach meinem persönlichen Eindruck – weit weniger dramatisch verändert, will sagen, verbessert.
Auch Hong Kong fühlt sich anders an. Seit 1997 gehört die Stadt zur Volksrepublik China, hat aber vieles von ihrem britischen Erbe bewahrt: Englisch ist weiterhin offizielle Sprache neben Chinesisch. Die Stadt wirkt heute chinesischer und zugleich auf eine eigentümliche Weise noch immer sehr britisch.
Guide Steve brachte die Veränderung auf den Punkt: «Es ist alles gleich geblieben – man darf einfach nicht mehr demonstrieren.»
Und vielleicht liegt genau darin eine der grossen Veränderungen, die man als Tourist zwar wahrnimmt, aber nur schwer einordnen kann.
Was sich für mich hingegen kaum verändert hat, ist die eigentliche Kunst des Reisens: Man muss nicht dieselbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen. Freundlichkeit, Respekt, ein wenig Geduld – und ein tapfer hervorgebrachtes «Konnichiwa» oder «Arigatō» können manchmal mehr bewirken als jedes Wörterbuch.
1987 dachte ich noch, das Problem sei, dass die anderen mich nicht verstehen. 2026 weiss ich: Vielleicht war das Problem eher, dass ich noch nicht verstanden hatte, wie man sich verständlich macht.
Von Schaffhausen nach Hong Kong, 27./28. August 2026
Der geplante Abflug in Zürich-Kloten um halb zwei ermöglichte uns eine entspannte Anreise mit dem Zug. Wie üblich waren wir mit einem grosszügigen Puffer am Check-In und danach auch durch die Sicherheitskontrolle. Und es blieb immer noch genug Zeit, sich auf den bevorstehenen, fast elfstündigen Flug in der Economy einzustimmen.

Madeleine hatte mir einen Sitz mit grösserer Beinfreiheit gebucht. So konnte ich etwas nach unten rutschen und konnte meinen Kopf auch wirklich anlehnen, das wäre sonst kaum auszuhalten gewesen. Für den Rest der Familie war es schon noch ein gutes Stück enger. Aber das allgemeine Klima ist besser: Durch die CFK-Bauweise beim A350 ist ein höherer Luftdruck und feuchtere Luft möglich im Vergleich zu Jets in traditioneller Alu-Bauweise (ist eine Frage der Materialermüdung/Fatigue und der Korrosion). Das war auch bitter nötgi, denn statt der 10:46 sassen wir 13 Stunden im Flugzeug.
Schon nach wenigen Metern erfolgte ein Startabbruch. Grund: Ungünstige Windverhältnisse und hohe Temperaturen. Mit andern Worten: Der Göppel war zu schwer. Überraschung, Überraschung, das konnte doch niemand voraussehen…
Der Umweg über das Dok zum Ausladen von Cargo dauerte 2:20. Nicht der beste Start, aber so konnte es ja nur noch besser werden.


Wolkenformationen über Aserbeitschan.
Und nein, wir sind natürlich nicht über die Krim geflogen, sondern weiter südlich über das schwarze Meer und die Türkei.


Schlafen war nur häppchenweise möglich. Aber manchmal gab es auch etwas zu sehen. Hier beispielsweise Taschkent in Usbekistan.
Über China flogen wir dann in den Sonnenaufgang. Ein Ende war nun absehbar.
Inzwischen hatten wir im Flugzeug auch noch Seraina getroffen, eine ehemalige Schwimmkollegin Mias. Sie war auf dem Weg zu ihrem Bruder in Neuseeland und würde drei Tage Aufenthalt haben in Hong Kong.

Auf meinem Around the World 1987 bin ich noch auf dem für seine spektakulären Anflüge berühmt-berüchtigten Flughafen Kai Tak gelandet. Kai Tak (unter dem äusseren Flap Track Fairing) gibt es zwar immer noch. Nur kann man dort nicht mehr landen, die Hälfte der Piste ist überbaut.
Kai Tak – Warum dieser Flughafen gegen alle Regeln der Luftfahrt verstiess

Für den Hotel-Transfer hatte Madeleine einen Midi-Van organsiert. Komfortabel zwar und mit 4 Einzelsitzen, aber mit unseren Koffern bereits am Kapazitätslimit.
Das verschärfte sich noch, weil wir Seraina natürlich auch noch mitnahmen. Es klappte schliesslich alles, trotz unserer fast zweistündigen Verspätung.
Die Fahrt dauerte, bei moderatem Verkehr, etwa 40 Minuten bis zum Sheraton Hong Kong Hotel & Towers 香港喜來登酒店. Der Aufpreis dort für das Early Check-In hat sich auf jeden Fall gelohnt. Erstens waren wir doch alle etwas gerädert und zweitens war es bereits so schwül-warm, dass wir eine Dusche und frische Kleider durchaus schätzten.
Für den heutigen Tag war nichts mehr geplant, so zogen Lily, Mia und Seraina los und ich erkundete mit Madeleine die nähere Umgebung.




Auf dem Weg zum Kowloon Park wieder auf «Zurich Watch» gestossen. Der Laden hat nicht nur überlebt, er ist auch grösser und vornehmer geworden. Rechts das Bild von 1987.
Nach einem kleinen Snack in einer der vielen Food Malls in Kellergeschossen sind wir dann im Kowloon Park angekommen und genossen die kühleren Temperaturen im Schatten der Bäume.




Es war wichtig, dass wir uns der Jet-Lag-Müdigkeit nicht ergaben, sondern den Tag wie normal beendeten









